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Die Fugger in Augsburg: 37 Stationen, 654 Jahre und hunderte Lilien auf 300 Seiten

Das Jubiläumsjahr der Fugger’schen Stiftungen und die Debatte um Rassismus, Sklavenhandel und Völkermord werfen ihre Schatten voraus – auch in einem jetzt neu erschienenen Reiseführer

Neu entdeckte Sehenswürdigkeiten, neue Sichtweisen auf die Anfänge der Globalisierung, aber auch ein großes Jubiläum schlagen sich im jetzt erschienenen Kulturreiseführer „Die Fugger in Augsburg. Geschäfte mit Kirche und Kaiser“ nieder. Es ist kaum zu glauben: Denn obwohl schon so viel über die Fugger und ihre Zeit geschrieben wurde, liefert dieses Thema bis heute immer wieder aufs Neue überraschende Entdeckungen oder – aufgrund veränderter Blickwinkel auf Menschen und Mentalitäten im 15., 16. und 17. Jahrhundert – frischen Diskussionsstoff. Hier wird das bislang unbekannte Bildnis eines Fugger entdeckt, dort wird das „goldene Augsburg der Renaissance“ und sein Anteil an Sklavenhandel und Völkermord kritisch analysiert, und nicht zuletzt wirft das 500. Jubiläum der Fürstlich und Gräflich Fuggerschen Stiftungen im August 2021 lange Schatten voraus.

 

Gut für die ungetrübte Vorfreude auf das Fugger’sche Stiftungsjubiläum ist: Mit Sklavenhandel, mörderischen Konquista-Unternehmungen und gewaltsamer Kolonisierung hatten die Augsburger Fugger nichts zu tun. Zwar handelten die Portugiesen mit Kupfer, Messing und Bronze aus Fugger’schen Hüttenwerken tausende Sklaven in Westafrika, doch an selbst betriebenem Sklavenhandel oder gar am Genozid an indigenen Völkern waren die Fugger – anders als die Welser – nicht beteiligt. Dass aber Diskussionen um solche Themen 2021 zum Beispiel das Narrativ im innovativem Fugger und Welser Erlebnismuseum verändern werden, kündigt das jetzt erschienene 300-seitige Taschenbuch schon mal an. Die „sensationelle Heimkehr“ zweier Kinderengel aus der Fuggerkapelle in St. Anna in das Augsburger Maximilianmuseum thematisiert „Die Fugger in Augsburg. Geschäfte mit Kirche und Kaiser“ ebenso wie anstehende Veränderungen in der Fuggerei, neuere Erkenntnisse zu den Badstuben in den Fuggerhäusern oder zur Bedeutung der Fugger für das UNESCO-Welterbe „Augsburger Wassermanagement-System“. 26 Kapitel „erzählen“ die 654 Jahre lange Geschichte der Fugger in Augsburg und ihrer großen Zeit kurz, knapp und mit 424 Abbildungen. 37 Kapitel führen zu jenen Orten, an denen man heute noch Bauten, Kunstwerke und Denkmäler der Fugger sieht – die Fuggerei, die Fuggerhäuser an der Maximilianstraße und die Fuggerkapelle in St. Anna sind nur drei davon. Die Neuerscheinung streift aber auch das Leben von Zeitgenossen Jakob Fuggers „des Reichen“ und seiner Nachfolger – das von Verwandten und von Faktoren, das der Welser und anderer Patrizierfamilien, das von Kaisern, Künstlern und Reformatoren. Es war zwar nicht alles Gold, was da glänzte, dennoch verdeutlicht ein Gang durch die Fuggerstadt, was dieses Augsburg bis in die ersten Jahre des Dreißigjährigen Kriegs einmal war. Ein Gang, bei dem man allein schon zwischen Dom und Ulrichsbasilika auf hunderte Fuggerwappen und Fuggersche Wappenlilien stößt. Denn die „Memoria“ war den Fuggern spätestens seit Jakob Fugger „dem Reichen“ ein zentrales Anliegen – bis 2021 hat das allerbestens funktioniert.

 

„Die Fugger in Augsburg. Geschäfte mit Kirche und Kaiser“
Martin Kluger, context verlag Augsburg | Nürnberg
300 Seiten, 424 Abbildungen,
EUR 16,90
ISBN 978-3-946917-22-9

 

Auch in den Badstuben in den Augsburger Fuggerhäusern – im Trakt am Zeugplatz – sind Fuggerlilien zu sehen. Der neue Kulturreiseführer „Die Fugger in Augsburg. Geschäfte mit Kirche und Kaiser“ erklärt aber auch, wieso dieses Raum­kunst­werk im Stil des Florentiner Manierismus zugleich ein einzigartiges Denkmal der historischen Augsburger Wasserwirtschaft ist. Denn ein marmornes Wandbecken im Musensaal verrät, dass einst eine Röhrwasserleitung in den Badstuben verlegt war. Dort wurde also tatsächlich gebadet: Es war vielleicht das aufwendigst ausgestattete Badezimmer dieser Epoche.
Foto: © Martin Kluger


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