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Vortrag von context-Verleger Martin Kluger für die Franckeschen Stiftungen zu Halle

„UNESCO-Welterbe ohne Gott – aber mit Göttern. Der Einfluss religiöser Konflikte auf die Augsburger Wasserversorgung und Brunnenkunst des 16., 17. und 18. Jahrhunderts“ heißt der Vortrag, den Verleger und Inhaber des context verlags Augsburg | Nürnberg und Buchautor Martin Kluger im Rahmen des Workshops „Des Waßers Art und Gütte, Beweget manch Gemüthe…“ der Franckeschen Stiftungen zu Halle am Freitag, 11. Juni 2021, hält. Es geht dabei um „Religiöse und technische Aspekte frühneuzeitlicher Wasser­versorgungs­systeme im Vergleich“ – so der Untertitel des Workshops.

 

Die Tagung der Stabsstelle Forschung der Franckeschen Stiftungen zu Halle in Kooperation mit dem Verein für hallische Stadtgeschichte e.V. befasst sich in Verbindung mit ihrer Jahresausstellung „Heilen an Leib und Seele. Medizin und Hygiene im 18. Jahrhundert“ in einem öffentlichen Workshop mit der frühneuzeitlichen Wasserversorgung in vergleichender Perspektive. Über die technischen Aspekte der historischen Wasserwirtschaft hinaus werden dabei auch religiöse Deutungsmuster des Wassers und der damit verbundenen Versorgungssysteme behandelt. Martin Kluger streicht in seinem Vortrag heraus, dass die Religion der „Wasserkünstler“ – also der „Ingenieure“ dieser Epoche – selbst im konfessionell so zerrissenen und zerstrittenen Augsburg keine wesentliche Rolle spielte. Das technische Können der Brunnenmeister, nicht ihr Glaube war der entscheidende Faktor für ihre Anstellung. So konnte in der Reichsstadt sogar einer der bei Katholiken wie Lutheranern gleichermaßen verhassten Wiedertäufer Augsburger Stadtbrunnenmeister werden, und für den genialen Brunnenmeister Caspar Walter wurde sogar die sonst so streng eingehaltene Augsburger Parität außer Kraft gesetzt.

 

Eine weitaus größere Rolle spielte der Glaubensstreit in der Reichsstadt Augsburg dagegen bei den drei Monumentalbrunnen, die heute Teil des UNESCO-Welterbes „Augsburger Wassermanagement-Systems“ sind. Der Augustusbrunnen, der Merkurbrunnen und der Herkulesbrunnen waren der Versuch des Rats der Reichsstadt, angesichts der Glaubensstreitigkeiten durch die konfessionell neutrale Motivwahl im Stadtbild zu deeskalieren. Der Neptunbrunnen verdrängte deshalb 1537 sogar die katholisch konnotierte Brunnenfigur des heiligen Ulrich vor dem Augsburger Rathaus. Als sich durch den Kalenderstreit aber die Macht­verhältnisse innerhalb der Stadt verschoben, scheint der katholisch dominierte Rat beim letzten der drei Monumentalbrunnen die konfessionelle Zurückhaltung aufgegeben zu haben. Denn die Hydra galt in der Renaissance als Symbol der Häresie, also auch des Protestantismus. Brunnenfiguren waren eben immer auch ein politisches Statement – und Zeichen der realen Machtverhältnisse. In kaum einer anderen deutschen Stadt wurde wegen des Konfessionsstreits und der Glaubenskriege so sehr gehasst, verhöhnt und gestritten (und am Ende so massenhaft gestorben) wie in der heutigen „Friedensstadt“ Augsburg. Vier Brunnen blieben als Denkmäler des Versuchs einer reichsstädtischen Konsensgesellschaft erhalten – der Neptunbrunnen auf dem Jakobsplatz bei der Fuggerei und die drei Monumentalbrunnen von Hubert Gerhard und Adriaen de Vries: Letztere sind seit 2019 Objekte des Welterbes. Diese Brunnen erinnern letztlich auch an die Kaiser des Hauses Habsburg, an die Fugger und Welser.

 

 

Mehr zum Thema:

 

Buch "Augsburgs historische Wasserwirtschaft. Der Weg zum UNESCO-Welterbe"

 

Buch "Welterbe Wasser. Augsburgs historische Wasserwirtschaft. Das UNESCO-Welterbe „Augsburger Wassermanagement-System“

 

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